In diesem Monat präsentiert das Stadt- und Industriemuseum in der Reihe „Exponat im Fokus“ ein Foto aus dem Jahr 1947.
Das historische Foto zeigt die Brandenburgische Straße in Guben und führt die schweren Folgen des Zweiten Weltkrieges unmittelbar vor Augen. In den letzten Kriegsmonaten 1945 wurde Guben zum Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der Neiße hinterließen massive Zerstörungen. Wohnhäuser, öffentliche Gebäude und ganze Straßenzüge wurden schwer beschädigt oder vollständig vernichtet. Besonders betroffen war das historische Stadtzentrum.
Das Kriegsende bedeutete für Guben einen weiteren tiefen Einschnitt: Mit der neuen Oder-Neiße-Grenze wurde die Stadt geteilt. Die historische Altstadt östlich der Neiße kam zu Polen und gehört seitdem zum heutigen Gubin. Der westliche Teil entwickelte sich als deutsches Guben weiter. Zerstörung und Teilung veränderten das jahrhundertealte Stadtgefüge dauerhaft.
Die Aufnahme zeigt ein schwer beschädigtes Eckgebäude der ehemaligen GEWOBA (Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft): Das Dach ist vollständig verschwunden, Fenster und Innenräume liegen offen, Teile der Fassade sind herausgebrochen. Zugleich dokumentiert das Foto bereits den beginnenden Wiederaufbau. Mit feinen Bleistiftlinien wurde direkt über der Ruine der geplante Wiederaufbau des Dachstuhls skizziert. Die Linien lassen erkennen, welche Form das neue Dach erhalten sollte.
Auf der Rückseite finden sich neben der Ortsangabe „Brandenburgische Straße“ weitere Notizen und Maßangaben sowie der Vermerk „Wiederaufbau 1950“. Damit ist die Fotografie mehr als ein Zeugnis der Kriegszerstörung: Sie dokumentiert zugleich den Versuch, nur wenige Jahre nach Kriegsende wieder Normalität zu schaffen.
Ruine und Wiederaufbauplan vereinen sich hier in einem Bild, ein eindrucksvolles Zeugnis des Neubeginns in Guben nach 1945. Wir zeigen dieses Foto zu den regulären Öffnungszeiten im Stadt- und Industriemuseum Guben.

